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date: 2014/08/15 22:05:54
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Inhalt
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Ole hatte sein Labor schon lange nicht mehr benutzt. Überall standen
angestaubte Behälter, Schaltkreise und Stapel voller loser Papiere. Seine
Versuche, eine Möglichkeit zu finden, mit der man die Zeit manipulieren konnte,
waren allesamt gescheitert.

„Wenn ich das Geheimnis nicht finde, vielleicht findet es dann jemand anders”,
dachte er, während er durch das staubige Labor zu seinem Computer ging.

Ole war ein Professor für Zeitforschung und befasste sich in letzter Zeit vor
allem mit Statistiken über Bevölkerungszahlen, Mode und allem was man sonst
noch über Menschengruppen herausfinden konnte. Seine Ergebnisse und Statistiken
schickte er an verschiedene Zeitschriften, wodurch er sich sein Geld verdiente.
Er war für einen Professor sehr jung, nämlich erst 25. Sein eigentliches Ziel
war es gewesen, herauszufinden, wie man die Vergangenheit verändern könnte.
Dabei ging es ihm weniger um das Zeitreisen, als um das Programmgesteuerte
verändern der Vergangenheit, z. B. durch programmierte Naturkatastrophen. Er
hatte alles Erdenkliche versucht, um dafür eine Maschine zu bauen, es hatte
jedoch nie geklappt.

Deshalb hatte er seine Forschungen aufgegeben und
sich mit Statistiken beschäftigt. Doch dann war
ihm die Idee gekommen, er könnte die Forschung an
andere Leute übertragen, natürlich so, dass diese
es nicht merkten.

Aus diesem Grunde, setzte er sich an den Computer,
um eine Webseite zu erstellen, auf der für die Lösung
von kleinen Teilproblemen hohe Preise ausgeschrieben
waren.

Durch seine Statistikenarbeit, hatte er genug Geld,
um diese Preise tatsächlich bezahlen zu können,
sollte ihm jemand eines der Teilprobleme lösen.
Er gab absichtlich nur Teilprobleme auf der Webseite
an, damit niemand herausfinden konnte, dass er plante,
mit diesen Erkenntnissen die Vergangenheit zu verändern.

Schließlich war die Seite fertig und Ole verließ sein Labor. „Hoffentlich
findet jemand eine Lösung”, dachte er beim Verlassen des Labors.

\

Anna lebte mit ihren Eltern in einem kleinen Haus am Rande einer nicht sehr
verkehrsreichen Straße in einer unbedeutenden Stadt. Das einzige, wofür die
Stadt bekannt war, waren die Großen Mengen von Antiusium, die nur dort abgebaut
wurden. Anna war 18 Jahre alt und interessierte sich für diverse technische
Konstruktionen, was sie von allen Mädchen, die sie kannte, unterschied. Sie
hatte sich aber noch nie besonders für das anscheinend ziemlich nutzlose
Antiusium, welches man in einem großen Höhlensystem unter der Stadt finden
konnte, interessiert.

Doch nun hatte der Lehrer ihrer Klasse aufgegeben,
herauszufinden, wozu das Antiusium gut war. Dazu
sollten sie auch in die Höhle gehen und Informationen
über das Material sammeln, sowie ein bisschen Antiusium
mitbringen. Anna nahm also ihren Rucksack und ging
in die Höhle, in der man es gratis finden und mitnehmen
konnte, so wenig war es offenbar wert. Die meisten,
die Anna kannte, sagten, dass die Höhle so ziemlich
der langweiligste Ort auf der Erde sei.

Anna besorgte sich am Touristeninfocenter vor dem
Eingang zur Höhle ein kleines Informationsheftchen
über das Antiusium. Sie suchte lange im vorderen
Teil der Höhle nach etwas Antiusium, doch dort lagen
nur noch krümelgroße Stücke, weshalb sie tiefer
in das Höhlensystem hineinging. Bald war sie in
einem Teil angekommen, in dem niemand außer ihr
zu sein schien. Sie suchte eine Weile und fand schließlich
auch einen kleinen Brocken des Materials, den sie
in ihren Rucksack einpackte.

Auf dem Rückweg wurde vor ihr plötzlich der Gang dunkel, sie war vom
vorgesehenen, ungefährlichen Weg abgekommen. Die Steine um sie herum, sahen aber
genau aus wie jene, an denen sie auf dem Hinweg vorbeigekommen war. Sie fragte
sich, ob nicht vielleicht einfach nur das Licht kaputt gegangen war, während
sie nach dem Antiusium gesucht hatte. Sie wusste es nicht. Zu allem Pech
gingen nun auch noch die Lampen hinter ihr aus, wodurch sie vollkommen im
Dunklen stand. Zum Glück, hatte sie an eine Taschenlampe gedacht, erinnerte
sich aber, dass ihre Batterien nicht mehr ganz neu waren. Tatsächlich war der
Schein, als sie die Lampe einschaltete, nur noch sehr schwach. Klopfenden
Herzens, ging sie weiter in den dunklen Gang vor ihr hinein. Sie kam an eine
Gabelung und nahm, ohne zu zögern, den Gang, an dessen Ende sie ein schwaches
Schimmern sah.

Als sie sich der Lichtquelle näherte, sah sie, dass
es sich offenbar um einen leuchtenden Stein handelte.
Der Stein war quaderförmig und für einen massiven
Stein relativ leicht. Von der Nähe aus leuchtete
der Stein erstaunlich hell, weshalb sie beschloss,
in in die Plastiktüte zu stecken, in der sie eigentlich
das Antiusium hatte transportieren wollen. Sie packte
es nun direkt in ihren Rucksack und nutzte die Tüte
mit dem Stein als Lampe.

Das schimmernde, violette Licht des Steines, warf,
obwohl sich nichts bewegte, unheimliche, sich bewegende
Schatten an die Wände. Es sah aus, wie das Licht
einer Kerze in einem violetten Glas. Nach einiger
Zeit fand Anna zurück in den beleuchteten Teil des
Höhlensystemes und bemerkte dabei nicht, wie in
den dunklen Gängen hinter ihr das Licht wieder an ging.

Sie wusste nicht recht, was sie jetzt mit dem Stein
tun sollte. Ihn wegwerfen? Dafür war er zu schön.
Ihn abgeben? Dafür fand sie ihn eigentlich auch
zu schön. Ihn behalten? Das ging eh nicht, denn
wie sollte sie einen so großen Stein, der noch dazu
leuchtete, aus der Höhle schaffen? Und wie sollte
sie ihn vor ihren Eltern geheim halten –
sie waren manchmal ein bisschen abergläubig und
hätten einen leuchtenden Stein gleich für ein Teufelswerk
gehalten?

Sie war ratlos, daher nahm sie sich vor, ihn einfach
abzugeben, obwohl sie ihn lieber behalten hätte.
Dann hätte sie nichts Verbotenes getan und hätte
zusätzlich nicht das Problem, den Stein vor ihren
Eltern geheim halten zu müssen.

Sie ging daher zu dem Touristeninfocenter, um ihn abzugeben. „Vielleicht
kommen die ganzen Touristen ja nicht, wegen dem nutzlosen Antiusium, sondern
wegen solchen Steinen”, fragte sie sich. An den Mann vom
Touristeninformationscenter gewandt, fragte sie: „Ich habe auf der Suche nach
Antiusium in der Höhle diesen Stein gefunden, was soll ich nun mit ihm machen?”
Im Licht sah der Stein nicht anders aus, als jeder andere. „Wegschmeißen oder
behalten, denke ich mal”, antwortete der Mann. „Er leuchtet aber im dunkeln,
vielleicht sollte man ihn nicht so einfach wegschmeißen”, sagte Anna. „Dann
behalte ihn eben”, antwortete der Mann gereizt, „in dieser Höhle gibt es eh
nichts von Wert.”

Somit behielt Anna den Stein und war sich aber weiterhin sicher, dass ein
solcher Stein etwas Besonders war, weshalb sie ihn auch vorerst nicht ihren
Eltern zeigte. Schließlich war es keiner dieser „Billig-Leuchtsteine”, die man
erst aufladen musste. Der Stein hatte in einer dunklen Höhle gelegen und dort
geleuchtet – ohne dass er vorher aufgeladen worden war.

Am Abend nahm sie einen Hammer und einen Nagel und
versuchte vorsichtig, ein kleines Stück von dem
rauen Stein abzuschlagen. Das kleine Stück, dass
sie abgeschlagen hatte, leuchtete genauso, oder vielleicht
ein bisschen schwächer, als der Rest des Steines.
Diesen kleinen Teil versteckte sie sorgfältig, um
wenigstens ein kleines Stück zu behalten, sollte
der größere Teil gestohlen werden, oder sonst auf
irgend eine Weise abhanden kommen, obwohl sie das
nicht vermutete. Danach versteckte sie auch den größeren
Teil des Steines in ihrem Schrank.

Einige Wochen später, hatte sie einen Alptraum, bei dem sie sich nur noch an
einen unnatürlichen Schrei erinnerte, der aus einem „Befreie mich!” und der
folgenden Adresse bestand:

> Burgstraße 32
> 324918 -- Nachthausen

Als sie aufwachte, war es mitten in der Nacht. Sofort schrieb sie den Satz und
die Adresse auf einen Zettel, um zu verhindern, dass sie ihn gleich wieder
vergaß. Sie gab die Adresse im Internet ein, wobei sie über eine einerseits
über eine Online-Karte herausfand, dass die Adresse etwa 30 km entfernt war
und andererseits eine Webseite, die offenbar dem Bewohner des Hauses bei der
Adresse gehörte. Es gab dort aber keine Bilder des Hauses.

„Warum träume ich ausgerechnet von dieser Adresse?”, fragte sie sich, „Ich habe
noch nie von ihr gehört, wie sollte ich auch – sie ist schließlich 30 km
entfernt.” Sie suchte im Internet nach einer Erklärung. Es gab nur ein
einziges Suchergebnis, welches Anna sehr verwunderte. Das Suchergebnis, eine
Nachricht bei Twitter, die vor 30 Sekunden von einem Mann veröffentlicht worden
war, enthielt folgenden Text:

> Ich hatte eben so'n Traum, da war jemand, der mir eine
> Addresse sagte und dass er befreit werden wollte. Ich
> vergaß sie kurz darauf. Zufall oder Telepathie?

Offenbar war es jemandem genauso gegangen wie ihr: Jemand hatte einen Hilferuf
im Traum bekommen, sogar zu exakt der gleichen Zeit. Vor allem sein letztes
Wort erregte ihre Aufmerksamkeit, Telepathie war tatsächlich die einzige
passende Erklärung, die ihr einfiel – obwohl es eigentlich gar keine Telepathie
gab.

Mit dem Gedanken an gruselige, grüne Aliens, ging sie wieder ins Bett. Am
nächsten Morgen, hatte sie den Zettel und die seltsame Twitter-Nachricht wieder
vergessen. Als sie Nachts aber erneut genau den gleichen Traum hatte, merkte
sie, dass sie genau das gleiche tat, wie die Nacht davor:

Sie schrieb die Adresse auf den selben Zettel und
fand diesmal noch eine andere Nachricht von dem gleichen
Mann:

> Gruselig. Ich habe schon wieder das gleiche geträumt
> und die Adresse wieder vergessen. Bin ich jetzt irre,
> dass ich nochmal genau das gleiche träume?

Als sie das gelesen hatte, erschreckte sie sich so
sehr, dass sie auch bemerkte, dass sie die Adresse
exakt nachgefahren hatte, was ihr einen weiteren
Schrecken einjagte. Erneut schien dieser Mann aus
dem Internet, die einzig mögliche Erklärung zu
haben, offenbar war sie irre, dass sie zweimal genau
das gleiche träumte und unmittelbar darauf auch
das gleiche tat. Sie sah auf die Uhr: „0:05”, genau wie am Tag davor.

Sie schrieb dem Mann eine E-Mail, in der sie ihm erzählte, dass sie offenbar
das gleiche geträumt hatte. Zusätzlich schrieb sie ihm die Adresse. Kaum eine
Minute, nachdem sie die E-Mail geschrieben hatte, kam eine Antwort – sie hatte
gerade den Computer ausschalten wollen, doch nun ließ sie ihn an. In der
Antwort stand folgendes:

> Das war genau die gleiche Adresse, wie bei mir -- jetzt
> erinnere ich mich wieder. Dass noch jemand das gleiche
> geträumt hat, gibt mir Hoffnung, dass ich nicht irre bin.
> Komischerweise liegt die Adresse fast 200 km von mir
> entfernt, weshalb ich noch nie von ihr gehört haben kann...
> Vielleicht solltest du einfach hingehen und denjenigen
> befreien. Ich glaube sonst träumen wir wieder das
> Gleiche -- ich vergesse die Adresse als erstes wieder und
> du schreibst sie dir nochmal auf deinen Zetel...

Der Mann war also offenbar auch ratlos. Sie wollte sich ein bisschen beruhigen
und öffnete den Schrank, um den Stein hervorzuholen. Doch der Stein war weg –
verschwunden. Es gab keinerlei Spuren. Der Dieb, der den Stein gestohlen hatte,
war anscheinend sehr ordentlich gewesen. Sie fragte sich, wer davon gewusst
haben könnte, dass sie den Stein gehabt hatte und ob der Diebstahl des Steines
mit den Albträumen zu tun hatte. Das kleine Stück, welches sie abgebrochen
hatte, leuchtete immernoch und war zum Glück nicht gestohlen worden.

Als am nächsten und an den Tagen darauf, die Träume bei ihr und dem Mann die
Träume nicht aufhörten, ließ sie sich von ihrem Großvater Nico ausbilden, wie
man in Häuser einbricht. Er frage sie nicht, weshalb sie das lernen wollte. Er
war eine Zeit lang Dieb gewesen und fragte sie jedes Mal, wenn sie zu Besuch
kam, ob er ihr sein Wissen nicht weitergeben sollte – er sagte immer, wenn sie
das Angebot ablehnte: „Es könnte dir aber eines Tages sehr nützlich sein.”
Dieses Mal freute er sich nur über ihr Interesse und sagte auch, dass es
„langsam Zeit” wurde, dass sie es endlich lernte.

Annas Eltern, hatten ihr jedes Mal gesagt, sie solle nicht auf ihn hören, doch
nun hatte sie einen Grund und sie war jetzt sogar froh, dass es jemanden in der
Verwandschaft gab, der sie in diesen „dunklen” Künsten unterrichten konnte.
Zur Übung musste Anna immer teure Gegenstände aus ihres Großvaters Zimmer
stehlen. Er erklärte ihr viele Dinge, die sie gar nicht für ihren Plan
benötigte und langsam merkte Anna, dass er gar nicht so unrecht hatte. Bestimmt
würden diese Fähigkeiten ihr irgendwann nützlich sein.

Ihr Plan war einfach: Sie wollte in das Haus bei der Adresse einbrechen, von
der sie jede Nacht träumte und nachsehen, ob es dort irgendetwas gab, was sie
befreien konnte oder sollte.

Seit dem sie sich diesen Plan überlegt hatte, waren die Träume zwar noch da,
doch weder wachte sie von ihnen auf, noch waren sie so intensiv, wie die ersten
Male. Der Mann aus dem Internet, mit dem sie mittlerweile oft über die
seltsamen Träume chattete, berichtete das Gleiche. „Es ist fast, als hätte
sich derjenige, der uns ruft, ihn zu befreien, sich irgendwie beruhigt.”, hatte
er ihr vor kurzem geschrieben.

Sie hatte ihm nicht von ihrem Plan erzählt und hielt das auch nicht für ratsam,
weil – das hatte sie von Nico gelernt – man _niemals_ etwas unverschlüsseltes,
schriftliches zu einem geplanten Verbrechen schreiben sollte, sonst gab es im
Nachhinein immer jemanden, der es entdeckte. Zusätzlich hatte er ihr gesagt,
dass das ICQ-Protokoll, welches sie zum Chatten verwendete, zusätzlich von der
Firma, die ICQ programmiert hatte, eingesehen werden konnte und gespeichert
wurde, weshalb man dort eh keine wichtigen oder gefährlichen Daten austauschen
konnte.

Am nächsten Morgen schrieb er, er habe den Traum diese Nacht noch schwächer
gehabt. Auch bei Anna war der Traum noch viel weniger stark als zuvor gewesen.
In der nächsten Nacht, war der Traum aber wieder klar und deutlich. Sie hörte
die, ihr mittlerweile bekannte, Stimme sagen:

> Du wirst mich mit Hilfe deines Planes retten,
> ich kann dir noch Hinweise geben:
>
> Burgstraße 32
> 324918 -- Nachthausen
>
> Befreie mich!

Bis dahin, war es ihr schon bekannt. Das hatte sie jede Nacht geträumt, aber
nie den ersten Teil verstanden. Sie meinte, sich auch zu erinnern, dass der
Anfang anders gewesen wäre, bevor sie zu ihrem Plan gekommen war.
Seltsamerweise konnte sie sich noch Wochen später, an den gesamten Inhalt
dieses Traumes erinnern.

> Ich bin im Keller.

Sie sah eine Treppe in einen Keller und eine große Stahltür, mit der
Aufschrift: „Betreten verboten! Gefährliche Mutanten”

> Die Tür hat ein Codeschloss, welches sich
> nur von außen öffnen lässt, die Nummer ist: 284397655.
> Es gibt eine Alarmanlage mit Notstromversorgung.
> In drei Tagen ist er länger weg.
> Komm zwischen 16:00 Uhr und 18:00 Uhr.
> Die Alarmanlage deaktiviere über diesen Code: 695408766.
> Mache keinen Fehler!
> Nimm eine gute Ausrüstung und eine
> schnelle Fluchtmöglichkeit mit.
> Sag dem Mann im Internet, bei dir wäre der
> Traum heute noch schwächer gewesen.
> Bis bald.

Am Ende, sah sie noch einen Computermonitor, der die Aufnahme einer
Überwachungskamera zeigte. Zu sehen war eine kleine, weiße Gestalt. Anna nahm
an, es handle sich um einen ausgehungerten Menschen.

Als sie aufwachte, überlegte sie, ob sie ihren Plan wirklich ausführen sollte.
Was, wenn hinter der Tür tatsächlich ein gefährlicher Mutant war. Auch der
vorletzte Satz, machte sie nachdenklicher: Sie sollte den Mann anlügen, nur auf
den Befehl eines Traumes hin. Auch die Letzten beiden Worte, schienen nicht
recht zu passen: „Bis bald”, bedeutete ja, dass derjenige, den sie befreien
sollte, es für sicher hielt, dass sie kommen würde. Dann kam ihr wieder das
letzte Bild in Erinnerung: ein hungernder, weißer, verkrümmter Körper, der nur
noch wenig Ähnlichkeit mit einem Menschen hatte – er hatte eher ausgesehen, wie
ein Skelett. „Niemand – auch ein Mutant nicht – sollte ein solches Dasein
führen müssen”, dachte Anna, weshalb sie sich schließlich vornahm, den Plan
genau so auszuführen, wie es der Typ aus dem Traum vorgeschlagen hatte. Als sie
dem Mann schrieb, der Traum sei bei ihr dieses mal schwächer gewesen,
berichtete er das gleiche. „Hat er vielleicht auch einen Plan?”, fragte sie
sich, als sie die Antwort las. „Vielleicht hat er auch genau exakt das gleiche
geträumt, wie ich und sagt es nun – auf Befehl des Traumes hin – nicht”, fragte
sie sich, „Werde ich ihn womöglich dort treffen?”

Trotz dieser Risiken und ungeklärten Fragen, machte sich Anna auf den Weg, um
den „Mutanten”– oder was auch immer hinter der Tür lag – zu befreien. Als sie
an das Haus kam, fand sie alles vor, wie beschrieben. Sie schaltete
unbeobachtete die Alarmanlage über den Code, den sie immer noch deutlich vor
Augen hatte, aus. Als sie in das Haus ging, sah es auf den ersten Blick aus,
wie das Haus eines ganz gewöhnlichen Menschens. Erst, als sie einige Titel der
Bücher las, merkte sie, dass hier offenbar ein Statistiker wohnte.

So lagen z. B. Bücher, wie „Wie Diagramme täuschen”, „Daten richtig darstellen
– bestimmte Effekte hervorheben, ohne die Statistik selbst zu fälschen”,
„Übersichtliche oder Zielgerichtete – Verständliche oder unverständliche
Diagramme” oder „Tabellen für fortgeschrittene” auf dem Tisch in einem Raum,
der offenbar das Wohnzimmer war. „Was hat ein Statistiker mit Mutanten zu
tun”, fragte sie sich, während sie vorsichtig nach dem Eingang zum Keller
suchte. Wie ihr ihr Großvater empfohlen hatte, trug sie feste Winterkleidung
und Gummihandschuhe.

Schon an der Tür zum Keller erkannte sie, dass es
dort offenbar Wichtiges gab: Die Tür, war durch
eine dicke Stahltür ersetzt worden. Sie arbeitete
fieberhaft an dem Schloss und hatte es schließlich,
nach einigen Minuten, auf. Sie erkannte die Treppe
aus ihrem Traum wieder: Es war als wäre sie schon
einmal vorher an diesem Ort gewesen.

Sie ging zu der Tür, die sie im Traum gesehen hatte
und gab den Code über die, an der Tür angebrachte,
Tastatur ein. Einen kurzen Moment zögerte sie noch,
dann bestätigte sie die Eingabe. Mit klopfendem
Herzen, sah sie zu, wie sich die schwere Stahltür,
die mehr ein Tor, als eine kleine Tür war, sich
öffnete. Dabei stellte sie sich vor, dass gleich
etwas unerwartetes passieren musste. Doch nichts
geschah.

Sie nahm eine im Keller stehende Kiste und blockierte damit die Tür, damit sie
sich nicht so leicht hinter ihr schließen konnte, wenn sie in den Raum ging –
eine weitere, nützliche Maßnahme, die ihr ihr Großvater geraten hatte, als sie
bei der Ausbildung in eine Falle gegangen war, bei der hinter ihr die Tür
zufiel.

Schließlich betrat sie den Raum und schaltete das Licht an. Sie erkannte, dass
das, was da auf dem Boden lag, tatsächlich nur wenig von einem Menschen hatte.
Das Wesen hatte einen viel dickeren Körper, als ein Mensch, einen viel größeren
Kopf und zwei Hälse, die beide viel dünner als Menschliche waren. Die beiden
Hälse schienen sich die Arbeit zu teilen. Der eine Verband den Kopf gerade mit
dem Körper und der zweite war offenbar eine Art Zusatzleitung zwischen Gehirn
und Wirbelsäule. Das Wesen hatte einen Schwanz, der am Ende aussah, wie eine
Muräne, nur dass er weiß war. Die Augen waren viel zu groß und die Ohren
erinnerten an die von Pferden. Anstatt fünf Fingern und Zehen, hatte das Wesen
jeweils nur drei dicke, unförmige Klumpen, die es eher wie ein Tier aussehen
ließen. Fast der ganze Körper des Wesen war weiß, nur der Bauch hatte eine
andere Farbe. Dadurch, dass das Wesen keinerlei Haare am Körper hatte und durch
die großen Augen, erinnerte es an ein Skelett.

„Hätte ich die Tür doch nur zu gelassen”, dachte Anna, die sich jetzt sicher
war, dass es sich bei dem Wesen tatsächlich um einen gefährlichen Mutanten
handeln musste. Gerade als sie aus dem Raum flüchten wollte, begann das Wesen
plötzlich mit klarer, zwar nicht ganz menschlicher, aber auch nicht
beängstigender, Stimme zu sprechen: „Ich heiße Finn. Und wer bist du?”

„Ich bin Anna”, antwortete sie verdutzt, denn sie hatte nicht erwartet, dass
das Wesen sprechen konnte, „Was hat man dir angetan?”„Gar nichts, außer mich
Einzusperren. Ich bin froh, dass du gekommen bist. Wie ich sehe, hast du gut
geplant – ich wusste doch, dass du mich befreien würdest. Lass uns lieber
schnell gehen, sonst kommt Ole noch zurück.”„Wer ist denn Ole?”, fragte Anna.

„Ich!”, antwortete ein Mann, der plötzlich in der Tür stand, „Ich bin
Ole! Kannst du eigentlich nicht lesen, Kind?! Da steht: Gefährlich”, schrie
der Mann sie an.

Erst jetzt bemerkte sie, dass er eine Pistole in der Hand hatte. Er zielte auf
sie und in dem Moment, wo er eigentlich hätte abdrücken müssen, passierte etwas
Seltsames: Sie sah, wie sich der Lauf verbog und kurz darauf alles um sie herum
aussah, wie wenn man keinen Empfang im Fernsehen hatte. Lauter schwarze und
weiße Punkte, flimmerten über ihre Sicht. Dann stand sie mit dem Wesen zu Hause
in ihrem Zimmer und duckte sich.

Aber dieser Mann „Ole” mit seiner Pistole und sein Haus, waren nicht mehr da.
„Wie hast du das gemacht?”, fragte sie Finn. „Ich weiß es auch nicht so
genau”, antwortete er, „Ich kenne noch nicht alle meine Fähigkeiten, ich fange
erst langsam an, sie zu verstehen.” „Welche Fähigkeiten?”, fragte Anna,

„Konntest du damit auch in meine Träume kommen?”„Ich weiß auch nicht, woher ich
sie habe”, antwortete Finn, „Das mit den Träumen muss mit dem Stein
zusammenhängen, mit Leuten, die Teile von ihm haben, kann ich mich telepathisch
verbinden, aber im Moment nur über Träume. Tagsüber würde das Unterbewusstsein
meine Verbindungsversuche abblocken. Der Stein spielt irgendwie eine Rolle als
Verstärker.”

„Was ist mit dem Stein passiert”, fragte sie, „Wo ist er?” „Ich weiß es nicht”,
antwortete er,

„Er lag, als ich von Ole gefangen wurde, neben mir. Ich kann mich nicht an
irgendetwas davor erinnern. Stand eigentlich etwas im Internet über ihn, mir
hat er nämlich nichts über sich erzählt?” „Ja”, sagte Anna, „Es gibt eine
Webseite, ich habe sie mir aber noch nicht angeguckt.”

Auf der Seite fanden sich seltsame, komplexe, scheinbar unlösbare
Aufgabenstellungen, mit denen sie nichts anfangen konnte. Aber Finn schienen
diese Aufgaben zu faszinieren. Als er sich alle angesehen hatte, sagte er: „Da
versucht Ole anscheinend, ein Gerät zu bauen, um die Zeit zu verändern. Es
hängt offenbar mit dem hohen Vorkommen von Antiusium auf unserer Erde
zusammen.”„Aber ich dachte, es gäbe nur in dieser Stadt Antiusium”, sagte Anna
verwundert. „Nein”, antwortete Finn, „Es gibt es überall, aber nur hier wird
es abgebaut, weil es eh niemand braucht – und hier wurde es nun mal entdeckt.
Ich frage mich, warum dieser Ole die Zeit manipulieren will.”

„Vielleicht will er verhindern, dass jemand, der ihm wichtig ist, in der
Vergangenheit stirbt”, antwortete Anna. „Vielleicht hat er aber auch mehr vor
– wir müssen es herausfinden”, sagte Finn. „Aber wie?”, fragte Anna. „Ganz
einfach”, antwortete er, „Dadurch, dass der Computer von Ole mit dem Internet
verbunden ist, um die Webseite im Internet verfügbar zu machen, können wir uns
darüber vielleicht zusätzliche Informationen holen, wenn wir eine
Sicherheitslücke finden.”„Weißt du überhaupt, wie das gehen soll?”, fragte sie
skeptisch. „Nein”, antwortete er, „Ich werde es aber herausfinden.”

Einige Wochen später sagte Finn schließlich: „So, jetzt kann ich einen Versuch
starten.” Tatsächlich gelang es ihm auf Anhieb, in den Computer von Ole, der
vergleichsweise schlecht gesichert war, einzudringen und einige Dateien, die
sie vielleicht interessieren würden, herunterzuladen. Damit Ole es nicht
bemerken konnte, trennte er die Verbindung sofort wieder.

Die verschlüsselte Datei `pTrMoAjNeIkPt.pdf.aes` schien ihm am
interessantesten. Die Buchstaben ergaben, wenn man die Großbuchstaben von den
Kleinbuchstaben trennte „projekt TMANIP”. Das „T” stand wahrscheinlich für
„Time”, also für „Zeit”. Mit „MANIP”, war vermutlich „Manipulation” gemeint.
Finn vermutete, dass diese seltsame Codierung im Namen, dafür sorgen sollte,
dass automatische Suchprogramme sie nicht fanden.

Weil die Datei verschlüsselt war, musste er sie erst knacken. Während dessen,
sah er sich die anderen Dateien an, die aber offenbar nicht mit
Zeitmanipulation oder den Aufgaben zusammenhingen.

Zwei Wochen später, war die Datei schließlich entschlüsselt. Er merkte sofort,
dass es die richtige Datei war. Er kopierte sich die wichtigsten Teile raus,
kommentierte sie und speicherte diese in einer extra Datei, die er mit einem
neuen Passwort verschlüsselte. Diese neue Datei hatte folgenden Inhalt:

> Wichtige Zitate aus Oles Datei und Kommentare zu ihnen
> "Antiusium, wird gebraucht, um die Zeit zu verändern."
> "Die Erde hat hohe Antiusium Vorkommen"
> "Ich finde es nicht selbst raus"
> "Meine Freunde wurden in der Vergangenheit von
> den Menschen ausgerottet. Ich wurde beauftragt, die
> Menschen in der Vergangenheit zu vernichten, damit
> meine Freunde in der Vergangenheit überleben.
> Das darf ich nicht vergessen -- dafür haben sie
> mich in diese Zeit geschickt, als ihre Maschine
> kurz vorm kaputtgehen war!"
> "Leider hatte niemand mehr die Pläne."
> "Damit werde ich die Menschen vernichten und meine
> Freunde retten, wie sie mich beauftragt haben..."
> Kommentar: Er hat offensichtlich Schlimmes vor
> und will damit seine Freunde retten.
>
> "Nach Aktivieren des Antiusiums, kann es niemand Anderes
> mehr für die Manipulation nutzen."
> "Wenn das Antiusium einmal vollständig aktiviert
> wurde, kann es keiner mehr stoppen -- der Zugriff auf die
> Zeit ist dann exklusiv"
> Kommentar: Wir müssen ihm zuvorkommen.
>
> "Es hängt nicht von der Menge von Antiusium ab."
> Kommentar: Hilft uns nicht.

![Oles Zeitmanipulationsdiagramm](d5_main_att/ole_time_manip)

Zusätzlich kopierte er sich das Zeitmanipulationsdiagramm in eine extra Datei.
Der „Basiskomplex”, war offenbar ein sehr wichtiger, aber sehr schwer zu
bauender Teil der Zeitmanipulationsmaschine. Die Aufgaben, die man lösen
musste, um den Basikomplex zu bauen, waren nämlich die schwierigsten und
kompliziertesten.

Er zeigte diese Zusammenstellung mit seinen Kommentaren sofort Anna, die dazu
nur sagte: „Dann lass uns gleich anfangen und die Aufgaben lösen, bevor jemand
Anderes den exklusiven Zugriff bekommt. Aber wenn Ole damit seine „Freunde”
retten will, sollten wir vielleicht unseren Zugriff dann auch nutzen, um jene
Freunde zu retten, aber ohne, dass dabei die Menschheit vernichtet wird. Kann
ich mir auch die Originaldatei nochmal angucken?” „Ja klar”, antwortete Finn,
„Hier!” Er öffnete die Originaldatei und gab das geknackte Passwort ein. Sie
sah sich die unheimliche Datei an und kopierte noch einen Abschnitt, den sie
für wichtig hielt in Finns „Wichtige Zitate” Datei:

> Theorie der Zeit nach Tom
> In der Vergangenheit können nur Manipulationen gemacht
> werden, die einen nicht selbst betreffen und mit denen man
> nicht in Berührung kommt. Will man Personen in der
> Vergangenheit manipulieren, so muss man ihnen sagen, dass
> sie Kontakt mit der manipulierenden Person bis zu dem
> Zeitpunkt, wo die Person die Manipulation in der Gegenwart
> abgeschlossen hat, auf jeden Fall meiden muss. Sonst kann
> eine Katastrophe entstehen, die meistens ein
> lebensgefährliches Chaos für die Beteiligten Personen
> bedeutet, aber auch schlimmere Folgen haben kann
>
> Kommentar: Darauf müssen wir Acht geben.

Nachdem sie das Finn gezeigt hatte, begannen sie die Aufgaben zu lösen. Finn
wohnte mittlerweile in Annas Zimmer. Er war jetzt 1,70 m groß und damit fast so
groß wie Anna – er wuchs erstaunlich schnell. Annas Eltern hatten Finn
mittlerweile als sprechendes Haustier akzeptiert, wenn Besuch da war, durfte er
sich aber nicht zeigen und musste sich zur Sicherheit in Annas Schrank
verstecken, wenn er aber weiter so wachen würde, würde er aber bald nicht mehr
in den Schrank passen.

Schließlich hatten sie alle Aufgaben gelöst und bauten die erste
Versuchsschaltung: Sie legten eine Murmel zwei Minuten in der Vergangenheit ans
Ende einer Rampe, in einem Raum, in dem sie vorher nicht gewesen waren.
Tatsächlich lag die Kugel, als sie direkt nach der Manipulation nachsahen, am
anderen Ende der Rampe. „Es hat geklappt”, rief Anna erfreut.

Am nächsten Tag ging Anna zu einer Freundin. Erst als sie wieder zu Hause war,
bemerkte sie, dass sie die Diskette mit dem unverschlüsselten Schaltplan,
verloren hatte. Sie fand sie, als sie direkt danach auf dem Weg suchte, nicht
wieder. Als sie das Finn erzählte, sagte dieser nur: „Verdammt! Was ist, wenn
Ole sie jetzt in die Finger bekommt?” Als sie einen zweiten Versuch mit einer
verbesserten Schaltung machen wollten, gab es ein Problem – die Schaltung
funktionierte nicht ganz normal – Ole hatte offenbar die Diskette in die Finger
bekommen, die Schaltung nachgebaut und in Betrieb genommen.

„Was nun?”, fragte Anna. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten”, antwortete Finn,
„Entweder, wir stoppen seine Maschine, oder wir gehen auf einen anderen
Planeten und bauen dort eine Maschine, unsere neue Schaltung zeigt nämlich,
dass es sehr wohl von der Menge des Antiusiums abhängt – mehr beschleunigt den
Vorgang. Wenn wir auf einen Planeten gingen, wo es mehr Antiusium gibt, als auf
der Erde, könnten wir dort vielleicht Oles Maschine überholen.”„Ja sicher – auf
einen anderen Planeten gehen.”, dachte sie ironisch, weshalb sie sagte: „Die
erste Variante scheint mir wesentlich einfacher.”

Nach einigen Tagen der Vorbereitung, unternahmen sie schließlich wieder einen
Einbruchsversuch. Finn hatte mittlerweile herausgefunden, dass er Anna
teleportieren konnte, wenn sie nahe bei ihm stand. Trotzdem sollte er nicht mit
einbrechen, sondern draußen warten, weil sie zu leicht entdeckt werden konnten,
wenn sie beide hinein gingen.

Gerade, als Anna Oles Maschine deaktivieren wollte, sah sie einen Zettel auf
dem Boden liegen, auf dem stand: „Anna und Finn umbringen – sie sind die
einzigen, die mich bei meinem Vorhaben noch stören könnten.” „Oh Gott, was wenn
das jetzt eine Falle ist?”, dachte sie erschrocken. In dem Moment, als sie den
Knopf zum deaktivieren drücken wollte, hörte sie, wie Ole hinter ihr seine
Pistole entsicherte, sie duckte sich und rannte Haken schlagend aus dem Haus.
Sie hörte noch den Schuss, der nur einen Millimeter an ihr vorbeiging, dann
stand sie mit Finn wieder zu Hause.

„Es war eine Falle – ich konnte die Maschine nicht ausschalten. Ich glaube, Ole
will uns umbringen – da lag ein Zettel auf dem Boden, wo draufstand, dass wir
die einzigen wären, die ihm noch gefährlich werden könnten. Ich konnte sehen,
dass seine Maschine noch ein Jahr braucht, bis er das Antiusium aktivieren
kann. Außerdem, wenn wir seine Maschine ausschalten, was hilft es uns dann – er
braucht sie nur wieder anzuschalten.”, sagte sie atemlos.

„Aber wie wollen wir so schnell ein passendes Raumschiff bauen, um auf einem
anderen Planeten mit mehr Antiusium eine schnellere Maschine zu bauen?”, fragte
Finn. „Wir fragen einfach jemanden von einer Raumfahrtfirma”, antwortete sie.
„Dann können wir ja auch gleich zur Polizei gehen”, erwiderte Finn. „Nein, da
sprechen mehrere Gründe dagegen”, sagte Anna, „Erstens: Bis die uns glauben,
ist das Jahr zu Ende, zumal wir ja bei Ole eingebrochen sind – und uns somit
auch schuldig gemacht haben. Wenn er also einen guten Anwalt hat, müssen wir eh
noch länger warten. Zweitens: Sie würden, um uns zu glauben, erst die Pläne
wollen, die sollten wir aber nicht hergeben, weil sie sonst gleich versuchen
würden damit in der Vergangenheit zu verhindern, dass wir die Pläne verlieren
oder sonst etwas derartiges – das würde aber zu einer Katastrophe führen,
weshalb wir niemandem die Pläne zeigen oder geben sollten. Zusätzlich würde
eventuell die Presse davon erfahren – dann wäre Ole gewarnt.”

„Und warum sollten die Leute von der Raumfahrtfirma nicht auch die Pläne
wollen”, fragte Finn. „Weil man sie besser bestechen kann”, antwortete Anna,
„Vielleicht reicht ihnen aber auch eine Vorführung.” „Und wie soll das
Raumschiff aussehen, was bis zu einem Planeten weit weg in weniger als einem
Jahr fliegen kann?”, fragte Finn. „Das finden wir schon noch raus”, antwortete
Anna optimistisch, obwohl sie es eigentlich immernoch für unmöglich hielt, ein
Raumschiff mit Überlichtgeschwindigkeit zu bauen.

Sie behielt Recht. Nach einer Vorführung und einer ausführlichen Erklärung,
wollte der Chef von der Raumfahrtfirma, weder die Pläne haben, noch seine Hilfe
verweigern. Anna musste zwar die Schule abbrechen, es hätte ihr aber ohnehin
nichts genutzt, wäre sie weiter auf der Schule geblieben, dann hätte nämlich
keiner Oles Maschine aufhalten können.

So arbeiteten sie zusammen mit einem Mann namens Lucas, der, wie sich
herausstellte, auch jener Mann aus dem Internet war. Sie arbeiteten den ganzen
Tag an dem streng geheimen Projekt, tief unten in einem Sicherheitsraum der
Raumfahrtsfirma.

\

Ole wusste von ihren Plänen. „Das schaffen die doch sowieso nicht”, dachte er,
„aber sicher ist sicher – ich werde weiterhin versuchen, sie loszuwerden. Doch
ich selbst komme nie durch die Kontrollen und Barrieren vor dem
Sicherheitsraum.”

Also machte er sich auf die Suche nach Auftragskiller. Schließlich hatte er
einen Mann gefunden, der behauptete, schon viel Erfahrung zu haben. Deshalb
wollte dieser zwar auch viel Geld, Ole war sich aber auch sicher, dass der
Killer nicht versagen würde. „Die Personen müssen alleine sein – sonst besteht
kaum eine Chance”, schärfte er dem Mann nochmal ein, als dieser sich auf den
Weg machte.

„Warum heuert Ole mich an, nur um ein Mädchen und einen Mutanten zu töten?”,
fragte sich der Killer unterwegs. Er merkte sehr bald, dass dieser Auftrag
schwerer als gedacht war, denn die Firma war erstaunlich gut abgesichert.
Schließlich fand er aber doch eine Möglichkeit, in die Firma einzudringen. Doch
auch die Nutzung der Möglichkeit, erwies sich als schwierig. „Ich hätte mehr
Geld verlangen müssen”, dachte er.

Verkleidet als Hausmeister, den er vorher gefesselt und in seinem Keller
versteckt hatte, ging der Killer in den Sicherheitsraum der Firma. Er sah das
Mädchen und den Mutanten, die er umbringen sollte bei der Arbeit. Schon bald
gab es einen Moment, in dem beide getrennt waren.

Zuerst nahm er sich das Mädchen vor. Er versteckte sich und zielte mit seinem
Spezialgewehr, welches kaum Geräusche verursachte. Gerade wollte er schießen,
als ihm jemand das Gewehr aus der Hand riss – der Schuss ging weit daneben.

Der Mann, der den Killer entdeckt hatte, rief schnell die Polizei, die den
Killer sofort festnahm. Die Polizei fand seinen Auftraggeber aber nicht heraus.

„Zu einem guten Killer gehört auch, dass er dicht hält”, dachte der Killer,
„Jezt weiß ich, warum Ole den Aufpreis fürs Dichthalten bezahlt hat. Er muss
gewusst haben, wie schwer es ist, da hinein zu kommen.”

\

Schließlich – nach einem Monat fieberhafter Arbeit – waren die Pläne für das
erste Überslichtgeschwindigkeitsraumschiff der Welt fertig. Die Pläne stützten
sich auch auf einen bestimmten Teil der Zeitmanipulationsmaschine, der in Oles
Zeitmanipulationsdiagramm der „Basiskomplex” genannt wurde. Wie dieser
funktionierte, war Anna aber immer noch nicht klar, obwohl Finn mehrmals
versucht hatte, es ihr zu erklären. Kurz darauf machte sich Finn auf die Suche
nach einem Zielplaneten. Dabei nutzte er Sattelitenbilder und die beiden
Supercomputer, die der Firma gehörten. Gleichzeitig arbeiteten Lucas, Anna und
ein paar andere Mitarbeiter der Firma auf Hochdruck an dem Raumschiff.

Sie besorgten sie die Teile, die sie brauchen würden, um auf dem mittlerweile
feststehenden Planeten, der zum Glück sogar eine atembare Atmosphäre hatte, eine
passende Zeitmanipulationsmaschine zu bauen und zu versorgen.

Nach zwei weiteren Monaten harter Arbeit, starteten schließlich Anna, Finn und
ein paar vertrauenswürdige Raumpiloten und Techniker – nicht aber Lucas, der
nicht ins All fliegen wollte – mit dem neuen Raumschiff ins Weltall. Nur Lucas
hatte das Passwort für die Pläne des Raumschiffes, die hochverschlüsselt auf
dem Zentralcomputer der Firma gespeichert worden waren.

Auf dem Weg, war Finn die ganze Zeit beschäftigt.

„Was macht er da bloß die ganze Zeit?”, fragte Anna sich. Doch sie fand nicht
recht den Mut, ihn zu fragen, weil er immer ein Schild mit dem Text

„Keinesfalls stören!” an der Tür hängen hatte. Auch die restlichen Leute an
Bord waren ständig beschäftigt. „Ich hätte nie gedacht, dass eine
Weltraumreise so langweilig sein kann”, dachte sie.

Als sie schließlich nach zwei Wochen mit Überlichtgeschwindigkeit ankamen,
verlief alles nach Plan. Sie fingen gleich an, eine neue Maschine zu bauen, mit
der sie Ole zuvorkommen wollten.

Doch bald stellte sich heraus, dass auf der Oberfläche des Planeten oft
furchtbare Stürme tobten. Sie hatten nicht genug Zeit, um einfach unter der
Oberfläche zu bauen, dort gab es zwar Höhlen, doch diese waren komplett durch
Pflanzen zugewachsen.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Pflanzen zu beseitigen, fand Anna
schließlich ein seltsames Tier, welches man am ehesten als einen Drachen
beschreiben konnte. Es hatte einen dicken Bauch und für seine Größe ziemlich
kleine Flügel, die sein Gewicht nur mit Mühe tragen konnten. Der Drache war rot
und stand auf seinen Hinterbeinen – fast wie ein Mensch.

Wie Finn herausfand, war der Drache auch intelligent und verstand und sprach
nach kurzer Zeit auch ihre Sprache. Was ihn so wichtig für alle machte, war
seine Fähigkeit, Feuer zu spucken, welches mehr als doppelt so heiß war, wie
jenes, welches man mit herkömmlichen Brennern erzeugen konnte.

Damit konnte der Drache ihnen sehr helfen, indem er die Pflanzen, die alle
vorher für Feuerfest gehalten hatten, verbrannte und somit den Weg in die
Höhlen öffnete. Der Drache freundete sich mit Anna und Finn an. So erfuhren sie
auch, dass er Felix hieß.

Dadurch, dass Felix ihnen die Höhlen freigebrannt hatte, konnten sie dort ihre
Zeitmanipulationsmaschine aufbauen. Schließlich konnte die Maschine gestartet
werden – viel schneller als geplant. Wenn alles nach Plan lief, hätten sie auf
jeden Fall zu erst exklusiven Zugiff auf die Zeit.

Das Programm für die Manipulation sah vor, dass die Leute, die Ole hatte retten
wollen, auf einen anderen Planeten gebraucht wurden und dass die Menschen nicht
vernichtet wurden. Anna hatte keine Ahnung, wie das gehen sollte, doch Finn
hatte es irgendwie geschafft, dieses Programm in die Maschine einzubauen.

Finn und Felix gingen in letzter Zeit oft in einen
anderen Teil der Höhlen. Sie sagten dann immer:

„Wir machen an deiner Überraschung weiter.” Woraus diese Überraschung bestehen
sollte, wusste Anna allerdings nicht. Sie kam auch nicht oft dazu, darüber
nachzudenken, denn obwohl die Maschine lief – versorgt von Solarzellen und
Windrädern – blieb immer noch viel zu Tun. Das Überleben auf einem fremden
Planeten und noch dazu auf einem so lebensfeindlichen, war schließlich auch
nicht so leicht.

Sie bauten fast ständig an neuen Räume in den Höhlen, denn die Höhlen waren,
jetzt da die Pflanzen verbrannt waren, einsturzgefährdet. Daher bauten sie
Stützen und zusätzliche Wände ein, um die Höhlen zu stabilisieren. Zusätzlich
gab es noch das Problem der Versorgung: Sie schafften es mittlerweile zwar,
meistens von selbst gepflanzter Nahrung zu leben, doch trotzdem war das nicht
immer einfach. Viel zu oft mussten sie von den Konserven essen, die sie
mitgenommen hatten, die aber nicht ewig reichen würden.

Über spezielle Glasfaserrohre, konnten sie auch Licht von Außen in die Höhlen
leiten. Die Herstellung eines solchen Rohres, war aber jedes Mal aufwendig und
auch sowieso nur möglich, weil es auf dem Planeten besondere „Glaspflanzen”
gab, deren Stängel einen glasähnlichen, biegsamen Stab enthielten. Die
Pflanzen wuchsen zwar schnell, trotzdem benötigten sie immer hunderte, um ein
solches Rohr zu bauen. Das war auch der Grund, weshalb sie nur zwei dieser
Rohre für die wichtigsten Räume hatten.

\

Unterdessen hatte Ole auf der Erde herausbekommen, dass Anna und Finn es
geschafft hatten, ein Überlichtraumschiff zu bauen und damit auf einen anderen
Planeten zu fliegen, um dort seine Zeitmanipulationsmaschine zu überholen.

Warum dort die Maschine schneller gehen sollte und wie sie es geschafft hatten,
überhaupt auf einen anderen Planeten zu kommen, wusste Ole nicht, doch er
vermutete, dass es irgendwo – warscheinlich bei der Raumfahrtfirma – Pläne
geben musste, in denen stand, wie man ein passendes Raumschiff bauen konnte.

Auf seiner Suche nach den Plänen, stieß er schließlich auf Lucas. Ole bedrohte
ihn mit seiner Pistole, woraufhin er ihm die Datei gab. Als er Ole gerade sagen
wollte, dass dieser auch noch das Passwort brauchen würde, hatte Ole auch schon
abgedrückt.

Mit den gestohlenen Plänen wieder daheim, musste Ole fluchend feststellen, dass
die Datei verschlüsselt war. Er mietete sich im Internet ein „Botnet”, eine
riesige Masse Computer, die unbemerkt mit Computervieren infiziert worden
waren, die es dem Mieter des Botnets erlaubten, beliebige Programme auf diesen
zu starten.

Ole schrieb ein Programm, welches die Kraft aller am Botnet angeschlossenen
Computer, das waren in seinem Falle immerhin 5000, nutze, um die Datei zu
knacken. Somit dauerte es – trotz der guten Verschlüsselung der Datei – nur
zwei Monate, bis er die Datei geknackt hatte.

Ole bezahlte den Hacker, dessen Botnet er gemietet hatte und fing gleich an,
ein solches Raumschiff zu bauen. Unterstützung bekam der dabei von seinen
Kollegen, die ihm auch geholfen hatten, an die Pläne für die Maschine zu
kommen. Sie wollten zwar niemanden retten, aber auch die Menscheit auslöschen –
aus den verschiedensten, absurden Gründen.

Für ihn war der Bau des Raumschiffes, obwohl ihm keine ganze Firma hatte, ein
bisschen einfacher, weil der das Rumschiff nur für eine Person bauen musste.
Zusätzlich musste das Raumschiff nicht so viel Gepäck mitschleppen – er musste
ja keine Teile für eine Zeitmanipulationsmaschine mitnehmen.

Daher war Ole schon nach einem Monaten fertig mit dem Bau und kam auch nach
zwei Wochen Reise auf dem Planeten, dessen Position freundlicherweise auch in
den Plänen gestanden hatte, an.

Trotzdem musste Ole noch tagelang den Planeten umkreisen, um herauszufinden, wo
Anna und Finn gelandet waren. Schließlich fand er die Stelle und landete in
sicherem Abstand. Er sabotierte das Raumschiff, mit dem Anna und Finn
angekommen waren. Dadurch wollte er ausschließen, dass Anna und Finn zurück zur
Erde gegen würden und ihm dort noch mehr Probleme machen würden.

Wenn alles glatt lief, würden sie es aber eh nicht überleben. Weil sie ihm aber
schon zwei Mal entkommen waren, wollte er dieses Mal sichergehen. Er überprüfte
die Ladung seiner Pistole und ging danach in die Höhle, um die
Zeitmanipulationsmaschine abzuschalten.

\

Alle hatten sich um die Maschine versammelt, denn in wenigen Minuten, würde das
Programm ausgeführt werden. Doch gerade als es nur noch fünf Sekunden waren,
bemerkten sie Ole, der am Eingang stand. „Schaltet sie sofort aus!”, rief er.

Doch das war gar nicht nötig, denn es hatte eine Fehler gegeben. Erst jetzt
wurde Anna, Finn und Felix klar, dass eine so weit zurückliegende Manipulation
nur stattfinden konnte, wenn die Maschinen weit genug von einander entfernt
waren.

„Verdammt”, fluchte Anna. „Da wäre es ja gar nicht nötig gewesen, zu kommen”,
sagte Ole belustigt. Grade als Ole abdrücken wollte, wurde ihm seine Pistole
aus der Hand geschleudert. Finn hatte sie ihm durch seine Fähigkeit,
naheliegende Objekte zu bewegen, aus der Hand gerissen. Schnell teleportierte
Finn, Anna und Felix an einen Ort, an dem Anna noch nie gewesen war.
Gleichzeitig wurden Ole und die anderen zurück auf ihre Raumschiffe
teleportiert.

Sie standen nun in einer Höhle, die oben ein Loch hatte, durch das man den
Himmel des Planeten sehen konnte. Das Loch wurde von einer Plastikplatte
abgedeckt, damit man vor den Stürmen und dem Regen an der Oberfläche geschützt
wurde. In der Mitte der Höhle, stand – direkt unter dem Loch – eine Maschine,
die ein bisschen an das Raumschiff mit dem sie angekommen waren erinnerte. Die
Apparatur schien ebenfalls ein Raumschiff zu sein, jedoch ein an vielen Stellen
weiterentwickeltes. An den Wänden der Höhle, standen viele Maschinen – oft ohne
Gehäuse, deren Funktion Anna nicht erraten konnte.

„Wo sind wir hier”, fragte sie. „Das ist unser geheimes Labor”, antwortete
Finn, „Hier haben wir an der „Überraschung” gearbeitet – einem Notfallplan,
falls unsere Maschine hier fehlschlagen sollte. Du erinnerst dich doch sicher
noch an mein Gepäck, welches ich mit hier hin mitgenommen hatte.” „Ach diese
große, würfelförmige Stahlkiste, die wir eigentlich nicht mitnehmen wollten?”,
fragte Anna verwundert. „Ja genau die”, antwortete Finn, „Ich habe sie zu den
Teilen für die Zeitmanipulationsmaschine gestellt, damit wir sie trotzdem
mitnahmen. Darin waren alle Teile für dieses Labor und für eine neue
Zeitmanipulationsmaschine”

Anna sah sich genauer um. Felix hatte schon angefangen, all die seltsamen
Maschinen in das Raumschiff einzuräumen. Auch Finn half fleißig mit, indem er
diverse schwere und unhandliche Maschinen in das Raumschiff teleportierte.

„Wie hat das alles in diese Kiste gepasst?”, fragte sie. „Ich habe es ein
bisschen verkleinert.”, meinte Finn, „Wir müssen uns übrigens ein bisschen
beeilen – dieses Mal wird die Reise länger, denn wir müssen viel weiter
fliegen. Dort müssen wir dann auch noch die Zeitmanipulationsmaschine in
Betrieb nehmen. Den zweiten Teil der Überraschung erfährst du auf der Reise,
jetzt steig erstmal ein!”

Felix war schon eingestiegen, nachdem er alles eingepackt hatte. Finn
teleportierte die Plastikabdeckung von der Öffnung und startete das Raumschiff.
Sie waren schon einige Stunden auf der Reise, als Anna schließlich eine Frage
einfiel, die sie sich schon die ganze Zeit stellte: „Warum teleportierst du uns
eigentlich nicht einfach zum Zielplaneten, Finn?”

„Ich kann nur dorthin teleportieren, wo ich schon einmal auf andere Weise
hingekommen bin und ich bekomme so weite Strecken noch nicht fehlerlos hin. Ich
bräuchte eine Maschine, die mir hilft, den richtigen Zielpunkt zu finden. Doch
solch eine Maschine ist sehr aufwändig und es steht weder auf der Erde, noch
sostwo eine – niemand hat Gebäude, Stätte und Planeten so geplant, dass sich
teleportierende Wesen dort zurechtfinden.”, antwortete Finn. „Achso”, sagte
sie, „Und was ist der zweite Teil der Überraschung, von der du geredet hast?”

Finn zögerte einen Moment und antwortete dann: „Wir haben in unserem Labor
nicht nur an einem Notfallplan gearbeitet, sondern auch daran, wie es wäre, auf
dem neuen Planeten, der an der Oberfläche wesentlich freundlicher ist, als der
andere, eine Art neue Erde aufzubauen, ihn also zu besiedeln. Dabei haben wir
uns auch überlegt, wie die passenden Menschen, die dann natürlich auch anders
heißen würden, aussehen würden, um einerseits auf dem Planeten gut zu überleben
und andererseits auch die Erde besuchen zu können. Bei unseren Überlegungen
haben wir gute Kenntnisse über menschliche Gene und über unsere eigenen Gene
bekommen. Wir haben uns ausführlich mit den Körperkonstruktionen der
verschiedensten Lebewesen auseinandergesetzt. Schließlich ist Felix auf die
Idee gekommen man könnte – praktisch zum Test – versuchen, seine und meine
Fähigkeiten auf einen Menschen zu übertragen. Natürlich konnten wir es keinem
sagen, weil es bis dahin ja noch geheim war, jetzt könnten wir – hätten wir
einen passenden Menschen – es ausprobieren. Felix hatte vorgeschlagen, dich zu
fragen, ob du es testen willst.”

Anna dachte eine Weile über diese ungeheuerlichen Ideen nach. Sie könnte die
gleichen Fähigkeiten bekommen, wie Finn und Felix? Eigentlich eine feine Sache,
doch es gab bestimmt einen Haken, weshalb sie fragte: „Was wären die
Nebenwirkungen?”

„Wir sind uns nicht ganz einig, was alles passieren könnte”, antwortete Finn
langsam, „Wenn es fehlschlägt, würdest du es wahrscheinlich nicht überleben.
Wenn es klappt, ergeben sich sehr wahrscheinlich Änderungen bei Aussehen,
Körpergröße, Hautfarbe und Stimmenklang. Felix hat auch behauptet, dass sich
vielleicht sogar Änderungen bei der Kleidung ergeben würden, weshalb es wichtig
wäre, solltest du auf die Idee kommen, es zu testen, dass du vorher gut
überlegst, was du anziehst. Zusätzlich gäbe es noch das Problem, dass die
Umgebung eventuell stark beschädigt wird, wenn du das erste Mal die neuen
Fähigkeiten hast. Das Problem haben Felix und ich nicht, weil wir die
Fähigkeiten erst nach und nach bekommen haben, auch wenn Felix erzählt hat,
dass er als Baby ausversehen einen großen Brand in den Höhlen verursacht
hatte.”

„Also ist es eine gefährliche Sache, es auszuprobieren”, überlegte Anna laut.
„Ja – eine lebensgefährliche für uns alle sogar”, sagte Finn, „Felix und ich
würden es dich aber trotzdem probieren lassen, wenn du wolltest, weil es unsere
Forschungen gut voranbringen würde.” „Wie hoch schätzt ihr die Warscheinlichkeit
ein, dass es klappt?”, fragte sie.
„Ich schätzte etwa 75 %, wenn du dich gut vorbereitst.” „80 %”, hörte sie Felix
aus dem Cockpit sagen. „Hmm...”, sagte Anna, „Ich überlege es mir erstmal bis
übermorgen.”

Lange dachte sie über das Angebot nach. In jedem Fall würde es eine
Überraschung geben, sollte sie es ausprobieren. Sie dachte darüber nach, dass
sie es irgendwann wahrscheinlich eh probieren würde. Die Frage war nur: Wann?
Wenn sie es jetzt gleich ausprobierte, hätte sie das meiste davon, sollte es
klappen. Wenn nicht könnte es sein, dass Ole sie irgendwann – wenn Finn nicht
in der Nähe war – erschoss. Hätte sie dagegen seine Fähigkeiten, könnte sie das
nicht mehr stören. Daher beschloss sie, das risikoreiche Experiment zu machen.

\

Ole hatte mit seinen Messgeräten, die er mitgenommen hatte, gemerkt, dass Anna,
Finn und Felix mit einem anderen Raumschiff losgeflogen waren, hatte geflucht
und war ihnen hinterher geflogen. Bald hatte er jedoch gemerkt, dass sie mehr
als dreimal so schnell wie er waren. Er folgte jetzt nur noch ihrer Spur, die
der Antrieb ihres Schiffes glücklicherweise hinterließ.

\

Als die Leute auf dem ersten Planeten, die Sabotage bemerkt hatten, waren Ole,
Anna, Finn und Felix schon weg – sie waren nun alleine auf dem Planeten. „Was
nun?”, fragte der Pilot, der während der Zeit auf dem Planeten praktisch zum
Anführer der kleinen Gruppe geworden war, „Es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder, wir bleiben hier und versuchen zu überleben – das dürfte dank unserer
ordentlichen Vorgehensweise gar nicht so ein großes Problem sein – oder wir
versuchen, das Raumschiff zu reparieren und fliegen zurück zur Erde”

„Lasst uns doch erst versuchen, das Schiff zu reparieren und dann nur hier zu
bleiben, wenn es nicht klappt.”, schlug einer der Forscher vor, die die
Windräder und Solarzellen für die Stromversorgung aufgebaut hatten. Mit diesem
Vorschlag, waren alle sofort einverstanden, doch das Schiff stellte sich als
irreparabel heraus. Wichtige Teile des Antriebes, dessen Pläne niemand der
Anwesenden hatte, waren vernichtet worden.

Somit bauten die Leute weiter an dem Planeten, das fiel ihnen auch recht leicht
– schließlich waren es alles Arbeiter, die sehr gut wussten, was sie taten. Die
Firma hatte wegen der Wichtigkeit des Planes, die besten Leute mitgeschickt,
was ihnen jetzt das Überleben sicherte. Jeder hatte zuvor auch „Der Herr der
Fliegen” lesen müssen, weshalb es nicht zu brutalen Kämpfen untereinander kam.

Sie hielten sich weiter an die Regeln, die sie vor der Reise aufgestellt hatten
und bauten keine Verbrennungs- oder Atomkraftwerke und keine umweltschädigenden
Maschinen. Es wurde aber mit der Zeit immer schwerer, festzustellen, was
umweltschädigtend war und was nicht, denn der Planet hatte eine ganz andere
Vegetation und ganz andere Tiere, als die Erde.

\

„Was genau, muss ich für das Experiment machen?”, fragte Anna gerade Finn. „Du
bist dir also sicher, dass du es wirklich machen willst.”, sagte er, „Also
dann: Als erstes musst du dir gut überlegen, was du dir anziehst. Wenn Felix
recht hat, wird sich die Kleidung in eine zu dir passende verwandeln – was auch
immer das genau sein soll – frag ihn einfach. Danach musst du dich möglichst
gut unter Kontrolle bringen, so ähnlich, wie bei einer Meditation. Schließlich
musst du noch diese Flüssigkeit trinken.” Er zeigte auf einen großen Becher,
der aussah, als wäre er mit Wasser gefüllt.

Felix erklärte ihr, was er unter einer „zu ihr passenden Kleidung” verstand:

„Es ist die Kleidung, die dich und deine Persönlichkeit am besten
widerspiegelt. Das Problem daran ist nur, dass es nicht unbedingt immer die
Kleidung ist, die dir im Moment am besten gefällt.”

„Wie soll ich sie dann finden?”, fragte sie. „Ich hatte noch nie Kleidung”,
antwortete Felix, „Ich weiß es nicht. Stell dir dich vor – wenn du perfekt
wärest. Welche Kleidung würdest du dann tragen?” „Irgendetwas Kugelsicheres,
bei dem man es nicht auf den ersten Blick sieht – vielleicht ein dünnes,
kugelsicheres Kleid – so etwas gibt es aber nicht.”, sagte sie. „Dann nimm das
gleiche – nur ohne „kugelsicher” – vielleicht ist das dann das einzige, was sich
verändert”, sagte Felix. „Ok..., das versuche ich dann mal”, antwortete sie
unsicher.

Nachdem sie sich entsprechend angezogen hatte, stellte sie den Becher neben
sich. Finn und Felix nickten ihr aufmunternd zu, als sie sich hinsetzte, um
sich „unter Kontrolle zu bringen”– was auch immer das sein mochte. Minutenlang
überlegte sie, woran sie erkenne würde, dass sie „sich unter Kontrolle hatte”,
schließlich überlegte sie sich, dass sie es wohl nie merken würde und trank den
Becher mit zwei großen Schlucken.

Die Flüssigkeit schmeckte nach nichts. Sie merkte kaum, wie sie sich
veränderte, doch schließlich wachte sie auf, obwohl sie sich nicht erinnern
konnte, eingeschlafen zu sein. Sie stand auf und sah an sich herunter. Sie sah
immer noch das selbe Kleid, hatte aber vom Hals bis zu den Füßen, einen
schwarzen Gummiüberzug an, der scheinbar atmungsaktiv war. An ihrem Rücken
befand sich ein Reißverschluss, um ihn auszuziehen.

„Sieht aus, als hätte es geklappt – jetzt musst du nur noch testen, ob das
Kleid oder dieser Gummiüberzug kugelsicher sind und ob du alle unsere
Fähigkeiten einsetzen kannst”, sagte Finn. Als erstes testete sie die
Kugelsicherheit, indem sie das Kleid und den Gummianzug auszog und versuchte,
mit einem Messer durchzustechen. Es gelang ihr nicht, was allerdings noch nicht
heißen musste, dass diese Kleidung tatsächlich kugelsicher war.

Danach testete sie die Fähigkeiten. Sie konnte, wie auch Felix, Feuer spucken,
wobei sie sich aber nicht verbrannte, auch nicht, wenn sie ihre Finger direkt
in die Flammen hielt. Das Bewegen von Gegenständen ohne sie zu berühren, gelang
ihr zwar, aber nur unter großer Anstrengung. Teleportieren konnte sie sich
leider gar nicht. „Das kommt mit der Übung”, sagte Finn. Anna war über ihre
neuen Fähigkeiten sehr erfreut, jetzt konnte sie sich – mit etwas Übung –
alleine gegen Ole wehren.

Als sie über den seltsamen Gummianzug nachdachte, fiel ihr ein, was ihr ihr
Großvater gesagt hatte:

„Für kurze Diebstähle sind Gummi Jacken und Handschuhe wie gemacht. Für lange
nicht, weil man zu schnell schwitzt.” Er wäre bestimmt erstaunt gewesen, hätte
er gewusst, dass es ein spezielles Gummi gab, in dem man nicht schwitzte und
welches vielleicht sogar kugelsicher war.

Der Rest der Reise wurde nicht so langweilig, wie das erste Mal, denn obwohl
Finn und Felix wieder sehr beschäftigt waren, konnte sie sich mit ihren neuen
Fähigkeiten auseinandersetzen. Nico hatte versucht, ihr das Messerwerfen bei zu
bringen, hatte es aber schnell wieder aufgegeben. Den Dolch, mit dem sie immer
geübt hatte, hatte sie immer noch. Obwohl es ihr ihr Großvater geraten hatte,
hatte sie ihn nie getragen – „wer brauchte schon so veraltete Waffen, wie einen
Dolch, wo es doch Pistolen gab”, hatte sie immer gedacht.

Jetzt, da sie die Flugbahn mit ihren Fähigkeiten beeinflussen konnte, empfand
sie ihn als sehr nützlich und steckte ihn in eine versteckte Vorrichtung ihres
Stiefels, die erst seit dem Experiment vorhanden war. Dadurch, dass sie immer
traf, machte das Üben mit dem Dolch viel mehr Spaß und so konnte sie es am Ende
der Reise fast, ohne die Flugbahn ändern zu müssen.

Sie stiegen nach vier Wochen Reise am Rande einer seltsamen Naturerscheinung
aus, die Anna noch nie gesehen hatte: Es war eine Erdwüste, die nur aus
brauner, feuchter, fester Erde bestand und – im Gegensatz zu Wüsten auf der
Erde – eine sehr angenehme, kühle Temperatur hatte.

„Wenn die Naturforscher auf der Erde wüssten, was wir schon alles auf unserer
Reise gesehen haben, wären sie bestimmt neidisch”, dachte Anna, wieder einmal
erstaunt über die wunderschöne, aufregende Natur von Planeten außerhalb der
Erde. Das war nichts gegen die Bilder von Mond und Mars, die man manchmal im
Fernsehen sah.

Am Rande dieser Wüste, bauten sie auch gleich die neue Maschine auf. Die
Solarzellen, stellten sie in die Wüste, wo viel Platz frei war, weil diese –
obwohl sie feucht war – offenbar unfruchtbar war.

Finn und Felix bauten eine kleine Hütte für ihr Labor. Obwohl sie die Hütte
hatten, schliefen sie immer im Raumschiff. Finn hatte berechnet, dass die
Maschine auf diesem Planeten, der mehr als das 48-fache an Antiusium als die
Erde hatte, nur ungefähr eine Woche laufen müsste.

Anna fragte schließlich: „Was habt ihr die ganze Zeit auf der Reise gemacht?”
„Wir haben geplant, wie wir diesen Planeten besiedeln werden”, antwortete
Felix. „Warum wollt ihr das denn machen?”, fragte sie. „Schau doch mal, wie
schön es hier ist – keine Umweltverschmutzung, kein Lärm, kein Klimawandel, wir
könnten diesen Planeten besielden und dabei die Fehler nicht machen, die auf
der Erde gemacht wurden?”, antwortete Finn. „Und wie wollt ihr das machen, wir
sind nur zu dritt?”, fragte sie. „An den Bewohnern arbeiten wir noch”,
antwortete Finn, „Aber wir haben schon zwei wichtige Grundlagen: Erstens: Ein
Baumaterial, dass man mit Hilfe einer Maschine an der ich noch arbeite, fast
unbegrenzt aus fast allen Materialien gewinnen kann und das zusätzlich
stabiler ist als alles, was wir auf der Erde hatten. Und Zweitens: Die
passenden Fähigkeiten, um alles zusammenzubauen. Du kannst uns z. B. zusammen
mit Felix, beim Schweißen helfen – euer Feuer ist heiß genug.”

„Vielleicht ist er doch gefährlich”, dachte sie, „wie will er das denn machen –
den Planeten besiedeln?”, fragte sie sich, an der Durchführbarkeit des Planes
einer Besiedelung zweifelnd. Aber sie wollte wissen, wie Finn sich das
vorstellte, den Planeten zu besiedeln, weshalb sie ihm bei der Planung half.
Während Anna, Finn und Felix planten und diverse Maschinen bauten, wussten sie
nicht, dass Ole ihnen folgte.

\

Ole machte schließlich – drei Tage vor der Ankunft – eine für ihn sehr wichtige
Entdeckung. Er fand heraus, wie man die Fähigkeiten von Finn und Felix
blockieren konnte. Das Anna jetzt auch welche hatte, wusste er nicht – aber
auch ihre konnten mit dieser Erfindung blockiert werden.

Er baute gleich ein passendes, kleines Gerät. „Jetzt habe ich endlich eine
funktionierende Waffe gegen sie”, dachte er erleichtert.

Drei Tage später kam er dann endlich an. Diesmal fand er die Stelle, an der sie
gelandet waren, gleich – die Solarzellen waren in der Erdwüste nicht zu
übersehen.

\

„Finn, es ist gleich fertig”, rief Anna in Richtung seines Labors, als der
Countdown auf der Zeitmanipulationsmaschine noch drei Minuten anzeigte. Obwohl
Finn gerade sein Experiment bereit gemacht hatte – es hatte Tage gedauert, es
vorzubereiten – stand er auf und wollte auf den roten Knopf drücken, um die
Maschinen für das Experiment abzustellen, traf aber den grünen, der direkt
nebendran angebracht war.

Dadurch hatte er, ohne dass er es wusste, sein Experiment gestartet. Dann
wollte er sich zu Anna teleportieren, doch aus irgend einem Grunde, klappte es
nicht. Er verschwendete keine Zeit und lief einfach. Felix und Anna standen
schon vor der Maschine, die jetzt nur noch zweieinhalb Minuten anzeigte.

Sie warteten gespannt. „Bald ist es geschafft”, dachte Anna erleichtert.

\

Als es schließlich nur noch 30 Sekunden waren, hörten sie ein Geräusch. Ole
stand hinter ihnen. Wie schon so oft, richtete er seine Pistole auf sie. Aber
Finn konnte ihn dieses Mal nicht wegteleportieren.

„Deine Fähigkeiten funktionieren nicht”, sagte Ole, „Ich habe extra ein Gerät
gebaut, um sie zu verhindern.” „Wie denn das?”, fragte Finn. „Ich weiß es auch
nicht so genau”, meinte Ole, „Jedenfalls scheint es gut zu
funktionieren.”„Jetzt könnt ihr mir endlich nicht mehr in die Quere kommen”,
rief Ole. „Oh je, was nun?”, fragte sich Anna verzweifelt.

In diesem Moment, gab es hinter ihm ein seltsames Zischgeräusch. Erschrocken
drehte er sich um. Diesen Augenblick nutzte Anna, um ihren Dolch zu werfen. Er
wäre weit daneben geflogen, hätte Ole nicht in diesem Moment mit seiner Pistole
gefuchtelt und sich umgedreht. Dadurch, flog der Dolch mit seinem Knauf gegen
die Pistole, die zu Boden fiel.

Eine Sekunde darauf ertönte ein lautes Piepen: Die Zeitmanipulationsmaschine,
hatte ihre Arbeit begonnen und Oles Volk auf einen anderen Planeten gerettet.

„Neein!”, schrie Ole, „Ihr hab sie umgebracht!” „Wen?”, fragte Anna.  „Mein Volk
– mit meiner Maschine, sollten sie gerettet werden – doch jetzt, wo eure
schneller war, sind sie dem Untergang geweiht.”, rief Ole entsetzt.

„Nein”, sagte Anna, „Finn hat daran gedacht und sie auf einen anderen Planeten
gerettet – dadurch haben beide Völker überlebt: Die Menschen und deine
Freunde” „Was?”, fragte Ole erstaunt, „Ihr wollt sagen, dass ihr gar nicht vor
hattet, mein Volk zu vernichten, dann war also die ganze Reise umsonst. Ich
hätte euch das auf dem ersten Planeten einfach machen können – mein Volk wäre
trotzdem gerettet worden. Und was mache ich jezt?”

„Zu dem Rest deines Volkes fliegen”, schlug Felix vor.  „Das geht nicht”,
antwortete Ole,

„Als sie mich in die Zukunft schickten, damit ich von dort Waffen hole, oder
per Zeitmanipulationsmaschine verhindere, dass sie sterben, haben sie mir
gesagt, es gäbe nur eine einzige Möglichkeit: Die Menschen vernichten. Sie
würden mich umbringen, denn ich habe meine Aufgabe nicht erfüllt und würde es
auch nicht weiter versuchen. Zur Erde kann ich auch nicht, denn ich konnte
während der Reise keine Statistik führen – das heißt, ich müsste einen neuen
Beruf finden und hätte zusätzlich eine Anklage am Hals, weil ich mehrere Killer
beauftragt hatte, euch umzubringen, während ihr bei der Firma wart. Hier kann
ich auch nicht bleiben – ich bin von allen gehasst und habe nichts geschafft.”

In diesem Moment, gab es links von Anna ein Geräusch.  Ein Tier, welches einem
Pony recht ähnlich sah, aber zwei spitze, rote Hörner hatte, stürmte auf Anna
zu, die zu erstaunt war, um auszuweichen. Schnell hob Ole seine Pistole wieder
auf, aber anstatt auf die nun wehrlose Anna zu schießen, schoss er auf das
gehörnte Pony. Es brach kurz bevor es bei Anna ankam zusammen und wurde von
einem kleinen Strauch aufgehalten. Dann sackte das offensichtlich tote Tier zu
Boden.

„Das war knapp”, sagte Ole, der noch immer seine Pistole in der Hand hatte. Er
steckte sie ein. „Hey”, rief Felix, „Du hast nicht auf uns geschossen!” „Warum
sollte ich?”, fragte Ole, „Ich bin nicht mehr wütend auf euch – nur noch auf
die Anführer meines Volkes. Sie haben mich belogen und mir dadurch alle
Chancen, wieder normal bei dem Rest des Volkes zu leben, genommen.”

„Du kannst doch hier bleiben und uns helfen, den Planeten zu besiedeln”, sagte
Felix.

„Ihr würdet mich tatsächlich – nach all dem – aufnehmen?”, fragte Ole
hoffnungsvoll. „Bestimmt”, antwortete Felix und an die anderen gewandt:
„Würden wir doch, oder?” Auch wenn Finn ein bisschen das Gesicht verzog,
stimmten er und Anna schließlich zu. „Was das noch geben wird?”, fragte sich
Anna, „Vier verschiedene Leute, mehr oder weniger seltsam, die versuchen, einen
Planeten zu besiedeln.”

Somit planten sie zu viert weiter, wie der Planet zu besiedeln wäre. Während
der Planungen, bei denen Ole und Finn ihr anfängliches Misstrauen bald
überwunden hatten, fragte Ole: „Was hat damals eigentlich so gezischt, als ich
euch versuchte umzubringen?” Finn antwortete nur: „Eine Überraschung.” Alle
wussten, was damit gemeint war, außer Ole, dem es Finn aber noch nicht verriet:
„Du wirst es schon noch erfahren.”

Somit arbeiteten sie weiter an den Vorbereitungen für eine permanente
Besiedelung. Sie nannten den Planet mittlerweile D5. Der Name war eine Idee von
Finn gewesen, warum er den Namen gewählt hatte, wussten sie zwar nicht, da
ihnen aber nichts besseres einfiel, ließen sie es dabei.

Ole fiel noch eine weitere, wichtige Frage ein, als sie die Häuser planten:
„Wer soll denn in den Häusern wohnen?” „Ich arbeite noch an den Bewohnern”,
antwortete Finn, womit aber keiner richtig etwas anfangen konnte. Deshalb
arbeiteten sie erstmal weiter.

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Die Leute auf dem ersten Planeten, hatten sich dort mittlerweile relativ gut
eingelebt und, ohne dass sie es vorher wollten, den Planeten besiedelt. Sie
arbeiteten an Fabriken und Labors, in denen sie durch Experimente herausfinden
wollten, ob man den Antrieb nicht doch wieder irgendwie in Ordnung bringen
konnte. Aber ihre Bemühungen bei diesem Problem blieben umsonst.

Schließlich war das Schiff so verfallen, dass man es praktisch hätte neu bauen
müssen.

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Die Planungen auf D5 waren beendet. Finn erzählte Ole von der „Überraschung”:
„Du hast doch sicher bemerkt, dass Anna seit der Ankunft auf D5 anders
aussieht, als vorher. Dies liegt daran, dass sie mittlerweile auch
Fähigkeiten, wie Felix und ich, hat. Felix und ich haben ihr unsere Fähigkeiten
kopiert, natürlich kann sie nicht alle nutzen, aber immerhin einige wichtige.
Diese Fähigkeiten haben vorher schon existiert – eben bei Felix und mir. Mit
meinem Experiment, wollte ich Fähigkeiten praktisch _erfinden_. Sie waren für
den ersten Einwohner bestimmt. Aber du hast uns sehr viel geholfen, Ole. Und
ich habe letztens meine neue Fähigkeit entdeckt, die es mir ermöglicht, zu
erkennen, ob jemand lügt oder betrügt. Weder lügst du, noch betrügst du auf
andere Weise, weshalb ich dir vertrauen würde, solltest du dich entscheiden, es
zu testen. Es kann dir neue Fähigkeiten geben, aber auch tödlich wirken.”

„Oh, wow. Welche Fähigkeiten hast du denn versucht, herzustellen?”, fragte Ole.
„Ich habe versucht, eine Fähigkeit herzustellen, mit der man sich in ein
Raumschiff verwandeln kann. Ansonsten habe ich noch versucht, eine Fähigkeit
einzubauen, mit der man Laserstrahlen aus Fingern und Ellebogen schießen
kann.”, antwortete Finn.

„Es klingt wirklich interessant”, sagte Ole, „Wenn du es wirklich erlaubst,
würde ich es gerne ausprobieren.”. „Kein Problem”, antwortete Finn,
„Schließlich interessieren vor allem mich auch die Ergebnisse.” Ole redete
vorher noch mit Felix, der ihm praktisch das Gleiche erklärte, wie er es Anna
erzählt hatte. Als er glaubte, sich „unter Kontrolle” zu haben, trank er die
Flüssigkeit. Auch ihm schien es im Nachhinein, als wäre er aufgewacht, ohne
vorher eingeschlafen zu sein.

Zu ihm hatte die Kleidung, die er vorher gehabt hatte – einen
Chemikalienschutzanzug, der das einzige war, was Ole dabei hatte – offenbar gut
gepasst, denn sie hatte sie kaum verändert. Auch bei ihm hatte es
funktioniert: Er konnte aus den Fingern Laserstrahlen schießen und sich in ein
Raumschiff, mit dem aber nur er selbst fliegen konnte, verwandeln. Zusätzlich
war dieses Raumschiff sehr klein im Vergleich zu denen, mit denen sie
angekommen waren.

Finn erzählte Ole im Nachhinein, dass er noch ein bisschen mehr, z. B. einen
betäubenden Blick, geplant hatte, der aber offenbar nicht auf Ole übertragen
worden war. Zusätzlich war Ole überraschender Weise, offenbar sechs Jahre
jünger geworden, was sich auch Finn nicht erklären konnte, denn er hatte nichts
Derartiges geplant gehabt.

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Mit Oles neuen Fähigkeiten konnten sie Hürden, die beim bearbeiten des
Baumaterials entstanden wären, ohne Schwierigkeiten nehmen – mit dem Laser
konnte Ole alles passgenau schneiden, weshalb sie früher anfingen, die Stadt zu
bauen. Ihre Pläne waren gewaltig und die Ausführung dauerte trotz der
Fähigkeiten, bei denen vor allem Finn nach und nach noch welche dazulernte,
fast fünf D5 Jahre, das waren umgerechnet in Erdjahre, etwas mehr als zehn.

Zum Schluss stellte Finn mit einer seltsamen Maschine, die auch den
Basiskomplex nutzte, die ersten Bewohner her. Natürlich waren diese den
Menschen sehr ähnlich, sie wollten schließlich nicht zusammen mit
Außerirdischen, wohnen, die ihnen völlig fremd waren.

Zuvor hatten sie noch mit Hilfe der Zeitmanipulationsmaschine die Grundfläche
der Stadt und einige Gebäude so verändert, dass diese für die Ewigkeit halten
würden. Zusätzlich, hatten sie die erneute Erfindung der Maschine, die
Fähikeiten verhinderte, auf den Sankt Nimmerleins Tag verlegt, der in der Zeit
interessanter Weise tatsächlich existierte.

Sie wurden die Aristrokraten von D5 und sorgten dafür, dass alle die Verfassung
einhielten, die sie im Wesentlichen aus dem Grundgesetz, welches Ole zum Glück
fast auswendig konnte und einigen eigenen Ideen zusammengesetzt hatten. Diese
Verfassung, sah auch vor, dass wenn nur noch einer von ihnen lebte, oder sie
alle gestorben wären, D5 automatisch eine Demokratie würde.

Ole bekam die Leitung über das Militär, er war trotz der seltsamen Verjüngung,
der erfahrenste von ihnen. Anna wurde zusammen mit Felix zuständig für Innen-
und Außenpolitik und Finn wurde zuständig für die Infrastruktur und
Notfallpläne, von denen er auf den langen Reisen, schon jede Menge geplant
hatte.

Die Stadt bekam, wie Felix am Anfang zum Scherz gesagt hatte, als Finn darauf
bestanden hatte, so viele Häuser zu bauen, dass 1000000 D5-Menschen in ihnen
wohnen konnten, tatsächlich genau 1000000 Einwohner, deren Zahl sich dank
einiger Änderungen, die Finn in die D5-Menschen eingebaut hatte, auch nie zu
stark vergrößerte oder verkleinerte und trotzdem dafür sorgte, dass es kaum
Gewalt gab und dass die Bewohner viel länger lebten, als normale Menschen.

In der Natur außerhalb der Stadt installierten sie in Abständen von mehreren
Kilomenten Messgeräte, mit denen sie die Natur kartographieren, fotographieren
und aufzeichnen wollten. Diese Geräte waren kleine Türme, die per Funk und
Satellit ausgewertet wurden. Ansonsten ließen sie die Natur völlig unberührt.

Dank der relativ jungen Sonne, würde D5 vermutlich länger existieren, als die
Erde. Ole, dem alle mittlerweilen vollkommen vertrauten, forschte mit Finn aber
auch schon an einer Möglichkeit, die Sonne „wieder aufzuladen”.

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Auf dem ersten Planeten starben die Menschen, die ihn beinahe komplett mit
Gängen und Räumen durchbaut hatten, nach 50 Jahren aus, weil es zu wenige
Kinder gab und im Kinderreichesten Sektor auch noch ein Atomkraftwerk
explodierte – die Regeln waren nach und nach in Vergessenheit geraten, weshalb
sie sich teilweise nicht mehr an diese gehalten hatten.

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Ole hatte auf der Erde vor seiner Abreise die Pläne für
Überlichtgeschwindigkeitsraumschiffe gelöscht, weshalb die Erde erst viele
Jahre später wieder einen Versuch unternahm, andere Planeten zu besiedeln.
